Ernährung & Psyche – was haben wir selbst in der Hand?

Viele psychische Erkrankungen liegen in unserer täglichen Ernährung begründet. Darm und Psyche sind eng verknüpft und tauschen ständig Informationen aus. Mittlerweile bringen Forscher ein gestörtes Mikrobiom mit vielen neurologischen Störungen in Verbindung (z.B. ADHS, Autismus, Ängste, Burnout). In der Wissenschaft bezeichnet man diesen Zusammenhang als „Darm-Psyche-Syndrom“ – kurz GAP. Zwar wissen die meisten Menschen, dass Ernährung ihre Gesundheit beeinflusst – aber viele wollen nicht wahrhaben, dass sie auch ihre Stimmung, ihre Gedanken und Entscheidungen beeinflussen. Wenn es unserer Darmflora gut geht, dann geht es uns auch gut!

Probiotika und Präbiotika für einen gesunden Darm. Unsere Darmflora setzt sich aus unzähligen Mikroorganismen zusammen. Die wünschenswerten Milchsäurebakterien (= Probiotika) produzieren kurzkettige Fettsäuren (z.B. Butyrate/Buttersäure), Propionsäure), welche durch ihre antientzündliche Wirkung nicht nur unsere Darmschleimhaut, sondern auch unser Immunsystem, unsere Blutgefäße und unsere Psyche schützen. Als Nahrung dienen ihnen wasserlösliche Ballaststoffe (= Präbiotika), wie zum Beispiel resistente Stärke, Oligofruktose, Inulin oder Pektin (z.B. in Kartoffeln, Yacon, Chicorée, Topinambur, Artischocken, Hülsenfrüchten).

Der typischen westlichen Ernährung mangelt es an Ballaststoffen. Während die frühen Menschen in der Altsteinzeit mehr als 100 g Ballaststoffe täglich verzehrten, sind es aktuell nur noch 10 – 20 pro Tag. Stattdessen ist unser Speiseplan häufig geprägt von stark verarbeiteten Lebensmitteln, Transfetten, raffiniertem Zucker und Auszugsmehlen im Übermaß. Eine solche hochkalorische und gleichzeitig vitalstoffarme Ernährung macht nicht nur dick und krank, sondern wirkt sich auch auf die Leistungsfähigkeit unseres Gehirns und auf unsere Stimmung aus.

Bereits vor der Geburt bestimmen Ernährungsmuster die Zusammensetzung der Darmflora – und damit auch unser Gehirn. Bereits während der Schwangerschaft entwickelt sich das Gehirn des ungeborenen Kindes und wird von der Ernährung der Mutter stark beeinflusst. Eine Studie der Universität Melbourne zeigt, wie eng Essgewohnheiten der Mütter mit der Psyche ihrer Kinder verknüpft ist. Die Forscher untersuchten tausende Kinder im Alter zwischen 1,5 und 5 Jahren, nachdem sie zuvor die Essgewohnheiten ihrer schwangerer Mütter analysiert hatten. Faktoren wie Erziehungsstil, Einkommen, Gesundheit der Mutter etc. wurden berücksichtigt. Das erschreckende Ergebnis: Mütter, die während der Schwangerschaft viel hochverarbeitetes, zucker- und fettreiches und vitalstoffarmes Essen zu sich nahmen, hatten am Ende die aggressivsten Kinder mit den meisten Wutanfällen.

Omega 3 Fettsäuren verbessern die Funktionsweise des Gehirns. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie der Universität Bordeaux in Frankreich, indem sie die Auswirkung einer einseitigen Ernährung auf das Gehirn von Mäusen untersuchte. Obwohl die Tiere sehr neugierig sind, zeigten Mäuse, denen Omega 3 Fettsäuren verwehrt wurden, viel mehr Angst und verließen ihre dunkle Ecke nicht. Als man ihre Neuronen untersuchte, wiesen diese erschreckende Anomalien auf! Gehirnzellen bestehen zu 90 % aus essentiellen, mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Ohne Omega 3 Fettsäuren können die Neuronen nicht miteinander kommunizieren. Wir müssen die wertvollen Fette deshalb regelmäßig mit der Ernährung aufnehmen (z.B. über Walnüsse, Lein- und Hanfsamen, Fisch oder Algen).

Vitamin B 3-Mangel führt zu aggressivem & gewaltsamem Verhalten. Eine Studie des Forschungsinstituts Hubert Curien (IHPC) untersuchte die Feldhamsterpopulationen im Elsass. Diese sind aufgrund der vorherrschenden Monokulturen mit Mais vom Aussterben bedroht. In einem Laborversuch wurden die Hamster nur mit Mais gefüttert. Während der Paarungszeit wurde anschließend eine extreme Aggressivität sowie Kannibalismus beobachtet – 80 % der Mütter fraßen ihren Nachwuchs nach der Geburt auf. Als Ursache für dieses extreme Verhalten identifizierten die Forscher einen Mangel an Vitamin B3. Denn nachdem die Mais-Ernährung mit Vitamin B3 angereichert wurde, normalisierte sich der Umgang der Hamster miteinander.

Eine vitalstoffreiche Ernährung wirkt ausgleichend auf die Psyche. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie der Oxford University unter der Leitung von Bernard Gesch im Jahr 2002. An der Untersuchung nahmen 200 inhaftierte Sträflinge aus dem Aylesbury Gefängnis nahe London teil. Diese bekamen tagtäglich sehr einseitige, stark verarbeitete und vitalstoffarme Nahrungsmittel vorgesetzt. Gesch wollte überprüfen, ob die richtige Ernährung Gefangene ausgeglichener und friedlicher macht. Einem Teil der Probanden wurden deshalb unwissentlich Vitamine, Mineralien und Fettsäuren ins Essen gemischt. Das verblüffende Ergebnis: Sträflinge, die Nahrungsergänzungsmittel bekamen, waren um 37 % weniger gewalttätig als solche mit Standardverpflegung. Als das Experiment in anderen Haftanstalten wiederholt wurde, waren die Ergebnisse ebenso deutlich.

Junk Food führt zu Entzündungsreaktionen im Gehirn. Wissenschaftler aus Sydney untersuchten an Ratten, welche Auswirkung eine stark verarbeitete, fett- und zuckerreiche Ernährung auf unser Gehirn hat. Zum einen fraßen die Ratten mehr als doppelt so viel, gleichzeitig verschlechterte sich ihr Gedächtnis enorm. Diese Reaktionen sind laut den Experten ein Zeichen für Veränderungen im Hippocampus. Denn eine fett- und zuckerreiche Ernährung bringt das Immunsystem aus dem Gleichgewicht und löst eine Entzündungsreaktion aus. Auch bei Menschen genügt bereits eine 4-tägige Ernährung mit Junk Food, um den Hippocampus deutlich zu beeinträchtigen. Mit zunehmender Dauer kann sich diese lokale Entzündung im ganzen Körper ausbreiten. Moderne Essgewohnheiten sind eine Gefahr für unsere geistigen Fähigkeiten und unser Gedächtnis!

Raffinierter Zucker hat ein höheres Suchtpotential als Heroin und Kokain. Eine Studie der University of Orgeon erforschte den Einfluss von Zucker aus das menschliche Gehirn. Die Wissenschaftler zeichneten die Gehirnwellen der Probanden vor und nach dem Konsum eines zuckerreichen Milchshakes auf. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass Zuckerkonsum unsere neuronalen Verbindungen genauso verändert, wie harte Drogen. Besonders gefährlich: Zucker ist mittlerweile in fast allen industriell verarbeiteten Lebensmitteln versteckt. Übrigens verringerte eine regelmäßige Aufnahme kalorienreicher Speisen das Belohnungssystems der Probanden extrem – dasselbe lässt sich auch bei Drogensüchtigen beobachten, die ihren Konsum für gleichbleibende Effekte immer wieder steigern müssen.

Unser Mikrobiom beeinflusst Verhaltensweisen. Wissenschaftler der University of Cork in Irland wollten untersuchten, ob Mangelernährung unser Verhalten beeinflusst. Nachdem sie normalen Mäusen die Darmbakterien von besonders ängstlichen Mäusen einpflanzten, zeigten diese ebenfalls angstvolles Verhalten – und andersherum. Die Forscher leiten davon ab, dass unsere Darmbakterien mit unseren Neuronen kommunizieren. Es herrscht eine rege Kommunikation zwischen Darm und Gehirn!

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