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Von Andropause bis Zappelphilipp-Syndrom Die Welt der erfundenen Krankheiten 29.09.2011


Kennen Sie ADHS, PMS und AMS? Diese Abkürzungen bezeichnen Erkrankungen, die sich findige Köpfe haben einfallen lassen; und sich nun am erdachten  Siechtum der Menschheit bereichern.

Noch vor einigen Jahren haben wir milde gelächelt, wenn Mann mit Mitte 30 plötzlich anfing, sich fesch zu kleiden, sportelte; im Gegensatz zu der ungewohnten Aktivität dann aber auch wieder niedergeschlagen und unzufrieden wirkte. Der ist in der Midlife-Crisis, der beruhigt sich schon. So dachten wir Ahnungslosen. Jetzt ist alles anders. Seit einiger Zeit wissen wir nämlich: Das ist gar nicht so harmlos. Nein! Der Mann ist in seinen „Wechseljahren“. Und nicht nur das, er leidet auch darunter. Sein Zustand – die Andropause – ist behandlungsbedürftig, Mann ist jetzt ein Patient. Die Diagnose lautet „Aging Male Syndrom“. Diese vermeintliche Krankheit heißt übersetzt „Das Syndrom des alternden Mannes“, was die Absurdität dieser neuen Erkrankung  schon deutlich macht. Nun sei die Frage erlaubt: Wie kommt es denn dazu, dass ein bisher zwar mitunter schwieriger, aber vorübergehender und doch meist erträglicher Zustand einer bestimmten Bevölkerungsgruppe mit einem Mal zur therapiebedürftigen Erkrankung wird? Wer erfindet so was?

Pharmafirmen steigern ihren Profit 

Die Antwort ist einfach: Geld- und machthungrige Menschen, die häufig in Pharmafirmen und Arztpraxen sitzen, versuchen durch das Schaffen von „neuen“ Krankheitsbildern ihren Profit zu steigern. Der Beispiele gibt es hier viele; das „Aging Male Syndrom“ ist beileibe nicht die einzige Fantasieerkrankung der letzten Jahre. Schön ist auch das „Käfig-Tiger-Syndrom“, das Familienväter mindestens einmal im Leben trifft. Hier werden Super-Papas zu zögerlichen und zweifelnden Männern, die den Familienfrieden mit ihren Befindlichkeiten ins Wanken bringen. Behandlungsbedürftig ist auch das Prämenstruelle Syndrom der Frau. PMS tritt immer kurz vor Beginn der Menstruation auf und führt zu Stimmungsschwankungen und Schmerzen in Unterleib und Rücken. Darunter leiden – eigentlich schon seit Menschengedenken – alle Frauen im gebärfähigen Alter. Früher haben sie nur nicht darüber gesprochen und sich einfach ein, zwei Tage zurückgezogen. Heute sind sie krank. Genauso übrigens wie die Traumsuse und der Zappelphilipp, die heute ADS- oder ADHS-Kind heißen und dringend der medikamentösen Behandlung bedürfen; früher einfach viel nach draußen an die frische Luft geschickt wurden und sich in Sportvereinen ausprobieren mussten.

Von der Befindlichkeit zur ernsten Erkrankung 

Es ist wie mit der Gans, die man schlachten will. Hat sie einen Namen, landet sie nicht im Ofen, sondern wird gepflegt. Einer Befindlichkeit geht es nicht anders. Hat sie erst eine medizinische Bezeichnung, wird sie nicht mehr einfach abgetan, sondern stellt plötzlich ein ernsthaftes zu versorgendes Problem dar. Und das ist wahr; für den „Neupatienten“ nämlich, der bisher vielleicht ab und zu Blähungen hatte, jetzt aber schwer am Reizdarm-Syndrom
erkrankt ist. Zum Glück für den „überredeten“ Kranken, gibt es ja aber zu jeder Krankheit ein – oft allerdings nur wenig bis gar nicht wirksames – Mittel, dass dem Patienten verabreicht werden kann und sowohl Arzt als auch Medikamentenhersteller die Taschen füllt. Um die Kassen zum Klingeln zu bringen, setzen die Pharmafirmen deshalb heute auf PR und Werbung. Findige und kreative Köpfe in entsprechenden Agenturen führen Krankheiten auf dem Medizin- und Patientenmarkt ein, als wären sie ein neues Waschmittel, ohne das die Weste nie mehr weiß werden kann. Hier werden Krankheiten in der Presse lanciert und damit in den Köpfen von potentiellen Patienten fest verankert, um pharmazeutische Neuentwicklungen, aber oft auch althergebrachte Mittel unter neuem Namen für viel Geld unter die Leute zu bringen.

Den gesunden Menschenverstand einsetzen

 Um sich diesem wirtschaftlichen Druck zu entziehen, bleibt dem Menschen nur, sich selbst zu informieren; kritisch nachzufragen und seinen gesunden Menschenverstand einzuschalten. Denn oft liegt die Lösung für eine Befindlichkeitsstörung nicht in der Chemie, sondern in der Natur der Sache. Vielleicht ist es nur eine kleine Veränderung im Lebensrhythmus, die Erleichterung bringt. Oder aber man hinterfragt mal die eigenen Essgewohnheiten und stellt die Ernährung von schnell und künstlich auf langsam, vitalstoffreich und natürlich um. Mehr Bewegung, weniger Stress, ausreichend Schlaf und gutes Essen – so hält man den Körper gesund und genießt dabei sogar. Auf Pillen kann man dann in vielen Fällen getrost verzichten.

 

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