Prävention und Früherkennung – die Zungendiagnose macht es möglich

Ob Vitaminmangel, ein fieberhafter Infekt, aber auch schwere Erkrankungen wie Leberleiden oder Krebs – die Zunge ist als Spiegel unseres Körpers ein in der Erfahrungsmedizin bewährtes Diagnosemedium für Prävention und Früherkennung. Selbst in der klassischen Medizin findet sie Anwendung. Auch wenn so mancher Schulmediziner davon nichts wissen will. Aber: „Sagen Sie mal Aaah!“, das gehörte zumindest früher zur Standarduntersuchung beim Hausarzt. Ob der so genau wusste, dass er damit die erfahrungsmedizinische Untersuchungsmethode bereits im Kleinen angewendet hat? Wir wissen es nicht. Was wir aber wohl wissen, ist, dass diese Untersuchungstechnik eine tausendjährige Geschichte hat. Vor allem in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) und dem indischen Ayurveda.

Blassrose und leicht schimmernd

Unsere Zunge ist ein Wundermuskel. Ist sie gesund schimmert sie leicht feucht und blassrosa; überzogen mit einem klaren, aber weißlichen Belag. Vieles, was sie leistet, nehmen wir als selbstverständlich hin, manches bemerken wir gar nicht. Ihre vornehmliche Aufgabe – und die von uns am meisten beachtete – ist sicher das Sprechen. Wie wichtig die Zunge dabei ist, merkt man spätestens dann, wenn kleinere Verletzungen, ein reduzierter Muskeltonus oder Schwellungen das Plappern annähernd unmöglich machen. Fast unbemerkt dagegen erledigt der Muskel in unserer Mundhöhle seine Arbeit beim Essen. Hier untersucht er zu allererst die Art der Nahrung auf Konsistenz, Temperatur und Geschmack, um gleich darauf zu prüfen, ob wir auch ausreichend lange und gründlich genug gekaut haben. So ganz nebenbei reinigt die Zunge Zahnzwischenräume, Schleimhauttaschen, Mundboden und Gaumen.

Auf der Zunge steht’s geschrieben

Dabei kann die Zunge aber noch viel mehr. Tatsächlich gibt sie den Menschen in seiner Gesamtheit wieder. Über vier Nerven ist sie mit unserem Gehirn genauso verbunden wie mit den verschiedenen inneren Organen. Der Muskel wird damit zum Spiegel unserer Befindlichkeiten; die Zungen-Oberfläche zur Landkarte unseres Körpers. An deren Spitze steht das Herz, in gerader Linie nach hinten direkt gefolgt von Lunge, Milz, Magen, Harnblase und Niere. Der rechte Zungenrand steht für Leber und Dickdarm, links liegen Gallenblase und Dünndarm. Durch die genaue Betrachtung von Oberfläche und Unterseite, Form, Farbe, Tonus (Spannung), Größe und Beweglichkeit erkennt der geübte Erfahrungsmediziner schnell, welche Problematik oder Erkrankung den Patienten quält. Vieles aus der Zungendiagnostik ist übrigens schon vor Urzeiten auch in die Schulmedizin übergegangen. So erkennt heute sogar der Laie sofort, dass die Himbeerzunge ein untrügliches Anzeichen für eine Scharlacherkrankung ist und ein dicker weißer Belag meist mit einer bösen Erkältung einhergeht. Das ist aber noch nicht alles, was die Zungendiagnostik zu leisten vermag.

Auf der Zunge steht’s geschrieben

Gerade in der Prävention und Früherkennung von Erkrankungen – auch zivilisatorischen Hintergrunds –  ist diese altehrwürdige Art der Diagnose erfolgreich. So zeigt sich z. B. ein Vitamin B2-Mangel durch eine bläulich-violette Verfärbung, die zart durch einen weißlichen Belag scheint. Brennt die Zunge fehlt dem Organismus Eisen und unter anderem auch das Vitamin B12. Den Mangel an Vitaminen und sonstigen Vitalstoffen kann man dann nach dem Erkennen zuverlässig durch die Umstellung auf eine vitalstoffreiche Ernährung beheben.

Aber auch Erkrankungen, die gerade im Frühstadium oft unbemerkt verlaufen, zeigen auf und unter der Zunge häufig erste Anzeichen. So kann eine trockene Zunge mit eingerissenen Mundwinkeln ein Hinweis auf einen Diabetes mellitus sein, eine Pilzinfektion sich in einem dicken weiß-gelben Zungenbelag zeigen. Eine Herzinsuffizienz (Herzschwäche) bringt – das wissen sogar die westlichen Schulmediziner – stark verdickte und geschlängelte Venen an der Zungenunterseite mit sich. Eine Schilddrüsen-Unterfunktion dagegen macht sich in einer angeschwollenen Zunge, die deutlich sichtbare Zahneindrücke an den Seiten vorweist bemerkbar. Schwarzbraun kommt die „Raucherzunge“ daher, die schnelles Handeln verlangt. Denn sind die Ablagerungen hier schon sichtbar, kann bereits eine Krebsvorstufe erreicht sein. Mit einer schwarzen „Behaarung“ reagiert die Zunge dann, wenn das Immunsystem stark geschwächt ist. Außerdem ist sie „Schwarzhaarzunge“ allzu oft ein Hinweis auf eine bereits lodernde schwere Erkrankung.

Die Erfahrung macht den Unterschied

Wichtig ist immer, einen kompetenten Therapeuten aufzusuchen. Denn so spannend die eigene spiegelbildliche Betrachtung der Zunge ist – die beste Zeit hierfür ist der frühe Morgen, noch vor dem Frühstück – so wichtig ist doch die Erfahrung bei der Interpretation der Symptome. Bedenkt man, dass der TCM-Student mindestens 15.000, besser noch mehr begutachtete Zungen nachweisen muss, bevor er die entsprechende Anerkennung erhält, erkennt man, wie wichtig das geschulte Auge für die Zungendiagnostik sein muss. Wird sie dann aber eingesetzt, kann sie die Entstehung von Erkrankungen bereits im Keim ersticken, aber auch lange Krankheitsphasen verhindern. Ein weiterer Aspekt ist ebenfalls zu beachten: Durch die Betrachtung der Zunge und ihrer Beschaffenheit lässt sich der Erfolg einer Therapie verfolgen, und beim erkennbaren Ausbleiben desselben frühzeitig andere Behandlungs-Wege einschlagen.

 

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